[Humor] Die Post hat mich bestohlen! ...

... so oder ähnlich würde vielleicht ein juristisch unbedarfter Schreiber seinen Blogeintrag übertiteln und nur Sekunden später ob und angesichts der anwaltlichen Abmahnung mit den entsprechenden, jeder menschlichen Vernunft trotzenden Abmahngebühren gebührend erbleichen. Anfängerfehler! Bei den Besuchszahlen meines Blogs allerdings ein vernachlässigbares Risiko, schluchz. Aber ich schweife ab, deshalb Hals über Kopf und ohne jede Zurückhaltung in medias res:

Die Post hat mich, einen beinahe armengenössigen Wenigverdiener bestohlen. Bestohlen? Jawohl, Damen und Herren, bestohlen! Mich! Die Post! Das Spitzenunternehmen, das immer weiss, wo seine resp. unsere Pakete von abgestumpften und gelangweilten Postangestellten herumgeworfen oder -getreten werden (*). Die Post, diese gelbe Sau.

Dabei wollte ich doch bloss um 18'00"01 Uhr, als die Postfiliale schon seit genau einer Hundertstelsekunde geschlossen hatte, am aussen angebrachten Briefmarkenautomaten eine Briefmarke für eine B4-formatige A-Post-Ware lösen. Die Kenner wissen's: satte zwei Franken und zwanzig Rappen sind dafür zu löhnen. Eine gute Gelegenheit, den angewachsenen, tonnenschweren Münzschatz in meinem Portemonnaie abzutragen. Mit vier 50-Rappen-Stücken und einem "Zwanzgerli" geruhte ich, den Automaten zu füttern. Aber die Briefmarkendiva zickte natürlich ausgerechnet bei der letzten Münze. Alle gebräuchlichen und bekannten Mittel (Reiben der Münze am Automaten, zarte Schläge etc. pp.), um den launischen Automaten zum Einlenken zu bewegen und die 50-Rappen-Münze zu akzeptieren, liessen das gefühllose Stück gelben Metalls kalt. Höhnisch liess der vermaledeite Apparat die Münze Mal um Mal direkt in das Ausgabefach durchfallen.

Schliesslich musste ich einlenken und ich wühlte in meinem Münzozean nach weiteren 50-Rappen-Stücken. Doch auch diese verschmähte das wählerische Drecksstück allesamt. Anstatt cool und pimp-mässig wie Sido mit "Fuffis im Club" um mich zu schmeissen, stand ich hier und musste zum grossen Gaudi der parallel am Geldautomaten anstehenden Mitmenschen "Fuffis" en masse in den gierigen Münzenschlund einwerfen, nur um sie stante pede diarrhögleich im Auswurffach wieder zu finden.

Briefkastenautomat der Post
Der Bösewicht (links) mit aufgesetzter Unschuldsmiene (Bild: www.post.ch)

Und da plötzlich, wie aus dem Nichts hatte der wohlfeile Herr Briefmarkenautomat genug und brach den Vorgang mir nichts, dir nichts ab. Die Anzeige erlosch und das Ausgabefach spuckte eine Marke aus. Wert: SFr. 1.70. Also wie eingeworfen. Ja, ja, da ist man dann wieder genau.

Die Zeit drängte, denn schliesslich galt es den Zug um 18.06 Uhr zu erwischen. Also hastig noch mal auf der Tastatur herumgetippt, um den Restbetrag von 50 Rappen auf Briefmarkenpapier zu verewigen. Münze einwerfen und ... tatsächlich, o Freude, o Wonne, der Automat akzeptierte die Münze anstandslos. Also am Ausgaberad drehen. Aber: nix! Nochmaliges Drehen: Pustekuchen! Enerviertes und verzweifeltes Herumtippen auf der Tastatur folgte, aber ohne jeden Erfolg. Zeit: 18.06. Verdammter Mist, der Zug! Mit dem Portemonnaie in der einen und dem unfrankierten B4-Couvert in der anderen Hand sprintete ich los. Und wäre die SBB mit ihrem Zug an diesem Tag nicht einmal mehr verspätet in den Bahnhof eingefahren, hätte ich nur noch den roten Schlusslichtern nachheulen können.

Die fünfzig Rappen hingegen kann ich vergessen. Die bleiben ohne Gegenleistung im räuberischen Automaten. Kein Wunder schreiben die Gauner von der Post prächtige Zahlen!

(*) Der Autor spricht hier aus Erfahrung, war er doch selber Angestellter im Paketbereich der Post. Kleiner Tipp aus berufenem Munde: Zerbrechliche Gegenstände unbedingt als "Fragile" (früher: Sperrgut) aufgeben. Falls man hierfür zu geizig oder zu unvermögend ist, Pakete nie und nimmer und unter keinen Umständen mit flehenden Worten wie "Zerbrechlich. Bitte sorgfältig behandeln" etc. beschriften. Diese "Fünfer und Weggli"-Mentalität, sprich ohne Bezahlen sorgfältige Behandlung des Paketes zu erwarten, wird die Postangestellten erzürnen und mit grosser Wahrscheinlichkeit die gegenteilige Reaktion auslösen. In der anonymen Paketmasse ist ihr zerbrechliches Gut in diesem Fall am Besten aufgehoben!

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krs (Gast) - 1. Okt, 12:17

Hast Du schon...

Polizei und Anwalt eingeschaltet? Ein Phantombild des (flüchtigen?) Automaten? Und wenn all das nichts nützt: Kassensturz?

;)

pax (Gast) - 4. Okt, 10:56

hehehe

hätte da auch noch ein paar müsterchen. falls nicht erlaubtes verlinken, einfach den beitrag löschen.

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die post und die sbb sind meine zwei lieblingsbetriebe :-)

gebsn (Gast) - 4. Okt, 11:05

Verlinken ist durchaus ok

Die letzten drei Texte hatte ich mir bereits zu Gemüte geführt, aber der erste war neu für mich. Man weiss nicht, ob man lachen oder weinen soll. Strafgebühr für die Fehler der Post bezahlen .. das ist schon ein starkes Stück.

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