Unsere Nachbarschaft

Stillleben
Vom Leben gebeutelt: Gestern noch stolzes Behältnis für Zuckerplörre, heute drangsaliert von abgehalfterten Zigarettenkippen.

Die St Ann’s Road, an der wir residieren, ist der Röstigraben von Westlondon. Auf der östlichen Seite der Strasse findet man luxuriöse Häuser aus der viktorianischen Zeit, schmucke Privatparks und teure Vehikel. Auf der anderen Seite stehen der schäbige Supermarkt "Costcutter", düstere Sozialwohnungshochhäuser und ein paar rostige Drahtesel.

Auf diesem beinahe surrealen Grenzgebiet zwischen dem reichen wie pittoresken Holland Park und dem ärmlichen Pflaster Shepherd's Bush kann man täglich die bizarrsten Szenen und Gestalten erleben. So wie kürzlich vor dem "Costcutter", der immer wieder für eine spannende Szene gut ist:

Um ein parkiertes Auto hatte sich ein Streit erhoben. Und nicht irgendeiner. Durch die ganze Gegend waren die lauten und unfreundlichen Worte zu hören. Der Grund für die Aufregung war nicht ersichtlich, aber die Aufregung umso mehr. Ein Mann gesetzten Alters beschimpfte die Lenkerin aus sicherer Distanz. Fäuste wurden erhoben, Drohungen ausgestossen. Die junge, durchaus aufgebrachte Besitzerin des Fahrzeugs war kaum zu bremsen. Immer näher wütetete sie sich Richtung Widersacher. Eine handgreifliche Eskalation schien unvermeidlich. Doch da, wer endete schlichtend den Streit? Der lokale Junkie mit einem Bier in der Hand.

P.S. Unsere Gegend gibt's jetzt auch in 3D bei Google Street View.

Funkstille

Last Signal

Aufgrund der dräuenden, ja drohenden Prüfungen muss ich für die nächsten zwo Monate blogmässig noch kürzer treten als bis anhin. Das eine oder andere Episödchen aus meine Leben mag es noch in die virtuelle Welt schaffen, für mehr kann ich aber nicht garantieren.

Regelmässigere Kost gibt's weiterhin auf meinem Foto-Account bei Flickr.

Nein zu biometrischen Pässen

Und die NZZ, mit der ich ausnahmsweise mal die Abstimmungsparole teile, sagt wieso:

"Stein des Anstosses ist der Umstand, dass die biometrischen Daten auf einer zentralen Datenbank beim Bundesamt für Polizei gespeichert werden sollen. Der Schengen-Acquis fordert derlei nicht. Also ist nicht einzusehen, warum jeder Passbesitzer seine persönlichen Daten dem Staat übergeben soll. ... Umfassende Datenbanken wecken nach aller Erfahrung Begehrlichkeiten. Auch wenn die Regierung einstweilen versichert, dass die Daten nicht für Fahndungszwecke verwendet werden sollen, ist dies in Zukunft nicht auszuschliessen."


So isses. Deshalb am 17. Mai unbedingt ein "Nein" zur Einführung von elektronisch gespeicherten biometrischen Daten im Schweizer Pass einlegen.

(via Journalistenschredder)

Postkarte aus England (IV): Dem Frühling ein Gruss

Fritten für Frühling

Erstaunlicherweise hat der Volksmund das Sprichwort "Wo die Fritten spriessen, ist der Frühling nicht weit" noch (!) nicht inkorporiert.

Mehr Postkarten. Mehr Fotos.

Privatisierung der Energieversorger

"... but at a European level, consolidation and concentration may be pushing energy prices higher, analysts says. "We've got an oligopolist electricity and gas market which looks a lot like the oil market - not at all what was intended,""

Höhere Preise und oligopolistische Strukturen dank der Liberalisierung des Energiemarktes. Wenn sogar der weissgott privatisierungsfreundliche "The Economist" zu diesem Fazit kommt, dann ist die Schweiz als glücklicher Nachzügler gut beraten, die Finger von der (weiteren) Privatsierung unserer Energielieferanten zu lassen.

Bud Spencer und Terence Hill

Wenn sich meiner einer als Bud Spencer und Terence Hill-Fan outet, folgen nicht selten skeptische bis bemitleidende Blicke. Denn Unkundige assoziieren das Filmwerk des italienischen Duos nach wie vor primär mit kindischen Prügeleien. Dies wird aber zumindest der deutschen Übersetzung der Filme nicht gerecht. Findet sich doch in den spencerhillschen Klassikern ein Reichtum an Sprachperlen, der einem die Freudentränen in die glücklichen Augen treibt. Nur ein paar Beispiele aus dem Kracher "Zwei ausser Rand und Band".
  • Mc Bride: "Sagen Sie mal, gehören da nicht von links- und rechtswegen zwei Türen dran?"
  • Kirby: "Dürft ich mal telefonieren?" - Fred: "Aber ganz im Gegenteil!"
  • Kirby: "Damit hier mal eines herrscht, und zwar Klarheit!"
  • Pfleger: "Ist ja auch ein Wetterchen heute." - Kirby: "Stimmt kann man zwei draus machen."
  • Kirby: "Horsche mal Kollege, wir wär’n kein schlecht Gespann. Ich bin Matt Kirby, genannt der Kürbis." - Walsh: "Und ich bin SAUER!" - Kirby: "Auch 'n werter Name, passt vor allen Dingen."
Ach, da bleibe ich gerne Kind.

Tomba-Shopping

Höchst ungern klopfe ich mir selbst auf die Schultern. Meine Leistung im schweisstreibenden Ausverkaufsgerangel kurz nach Weihnachten verlangt jedoch zwingend nach einer kurzen Würdigung an dieser Stelle:

Steife Brise, Sonnenschein. Es war ein kalter Tag. Aber ein schöner Tag. Bis ich zur nahe gelegenen Shopping Mall gelangte. Soweit das Auge reichte, wogte und wabberte die einkaufende Masse. Ein dichter, träger Organismus, der in alle Ecken und Enden der Gebäudlichkeiten drängte.

Ich hatte - im Gegensatz zur grossmehrheitlichen Anzahl der gemütlich schlendernden Shopping-Nichtsnutze - eine präzise Vorstellung, was ich wo zu welchem Preis zu erwerben gedachte. Was ich nicht hatte: Zeit. Und natürlich lag mein Ziel am fernen Ende der Mall. Und eine geschätzte Trilliarde Menschen dazwischen. Ich nahm noch einmal tief Atem und warf mich ins Getümmel.

Zielstrebig und im Eilschritt manövrierte ich mich durch die enervierend tranige Masse der Shopwütigen. Ich berechnete meine Laufwege viele Meter vorweg, kalkulierte die wahrscheinlichen Bewegungen meiner Gegner. Aus dem Weg, Alterchen! Meinen Bahnen kreuzende Passanten warf ich tödliche Blicke zu. Mein Herz pochte, das Adrenalin strömte. Von den psychologischen Spielchen meiner Gegner liess ich mich nicht irritieren: Wer zuerst durch die Tür ist, hat gewonnen. Da hilft auch kein sarkastisches "after you".

Da, nicht fern, leuchtet das Signet, das Ziel ist nah. „Schneller, schneller!“, trieb ich mich an. Ich flutschte zwischen Familien durch, überholte hier und da, umkurvte Menschen wie Slalomstangen. Die letzten Meter. Jetzt noch mal alle Kraft sammeln. Ausweichen links, rechts, zwei schnelle Schritte. Und da ist das Ziel! Durch, vorbei, Rekordzeit!

"Tomba la Bomba" wäre stolz auf mich gewesen. Und hätte vielleicht, aber nur vielleicht, sogar eine Sekunde von seiner notorischen Anbaggerei abgelassen, um meine eleganten wie rasanten Einkaufsstil in der Wiederholung zu bewundern.

Postkarte aus England (III)

Eastbourne Pier

Mit Mut und Knochenarbeit dem Ozean eine Handvoll Quadratmeter Lebensraum zur Förderung von Spiel- und Trunksucht abgetrotzt. Ein prächtiges Beispiel, wie sich die Menschheit Mutter Natur untertan macht.

Mehr Postkarten. Mehr Fotos.

Terroristischer Anschlag in diesen Zeiten

Was würde ein terroristischer Anschlag in der Grösse von 9/11 in der momentanen Kreditkrise bewirken? Wäre ein solcher Anschlag der Todesstoss für das einbandagierte und nur dank Krücken noch einigermassen gehfähige Weltwirtschaftssystem?

Durchaus möglich. Die englische Finanzaufsichtbehörde FSA verweist in ihrem "Risk Outlook 2009" (S. 20) jedenfalls ausdrücklich auf diese Möglichkeit und befiehlt den Banken "stress testing and scenario analysis". In diesem Sinne kann man nur froh sein, dass Obama und Co. (selber von der Krise gebeutelt?) diese Schwächeperiode des Westens nicht ausnützen resp. sich nicht durch den Risk Outlook durchgekämpft haben. Da würden nicht mal mehr meine feinen Tipps helfen.

Rettung der Marktwirtschaft

Schluss mit Unkrautjäten und Düngemitteleinsatz. Die Investitionsprogramme und punktuellen Eingriffe sind ergebnislos verpufft. Jetzt muss der Finanzgarten umgegraben werden. Mit Nachdruck fordert deshalb "The Gebsn Institute" die internationale wie ausnahmslose Umsetzung der folgenden Massnahmen zur Rettung unserer geliebten Marktwirtschaft:
  • Für die Auszahlung von Löhnen werden Banknoten mit einmonatigem Verfallsdatum gedruckt. Diese Massnahme garantiert die Ankurbelung des Binnenkonsums.
  • Sparkontos werden eindirektional sistiert: Nur noch Auszahlungen sind möglich.
  • Modell "Buy and Give Back" (BAGB) anstelle von Verstaatlichung der Nationalbanken: Die Staaten übernehmen alle Aktien ihrer Grossbanken und schenken sie den ursprünglichen Eigentümern zurück. Dies verhindert negative Signale, die mit der Staatseigentümerschaft verbunden wären. Anwendbar auch für unterstützungswürdige Industriezweige (Automobil, Bau, Medien).
  • Bonipflicht für BAGB-Banken. Boni erhöhen die momentan fehlende Risikobereitschaft bei den einzelnen Bankmitarbeitern, das generelle Vertrauen der Finanzbranche und leisten über Konsum und Steuern einen unverzichtbaren Beitrag zur Ankurbelung des Finanzkreislaufs.
  • Nötig sind neue und hochrentable Investitionsmärkte. Vorschlag: weltweite Legalisierung von Drogen und Prostitution.
  • "Wirtschaftsschädigung" als neues Delikt. Hohe Zuchthausstrafen hat zu gewärtigen, wer Geldmengen hortet oder dem Wirtschaftskreislauf entzieht ("sparen"), wer Konsumgüter älter als fünf Jahre benützt und wer Unwahrheiten über das marktwirtschaftliche System und seine Institutionen verbreitet.
  • "Der Markt" wird Teil des Parlaments. Staatliche Massnahmen, die zu einer negativen Marktreaktion führen (z.B. am entsprechenden Bond-Markt) können nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet werden. Dies garantiert die marktwirtschaftsgerechte Umsetzung von staatlichen Massnahmen gegen die Krise.
  • Steuersenkungen für hohe Einkommen und Unternehmen. Die Entlastung dieser wichtigen Wirtschaftsteilnehmer garantiert die Rückgewinnung von Vertrauen und Investitionsbereitschaft.

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Heisst das, Du bist auf den Affen gekommen?
LD (Gast) - 23. Aug, 01:39
Danke, danke
Bis anhin ist alles noch ruhig.
gebsn - 28. Feb, 10:26
Yeah!
Wunderbare Nachrichten. Dann mal toitoitoi und möge...
spot (Gast) - 28. Feb, 09:05
Danke, danke
Soweit, ganz gut. Lustigerweise fuhren die Busse, als...
gebsn - 11. Nov, 00:24
Sehr geehrter Herr Gebsn
Ich hoffe, es geht Ihnen gut auf der Insel! Haben Sie...
Newzilla (Gast) - 10. Nov, 09:26

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