Beschwerde betr. Wetter in London

Petrus, alte Knallcharge

Ich muss mich entschuldigen. Was habe ich dich gescholten und gemosert über deine launischen Wetterkapriolen in der Schweiz. Das war töricht. Denn selbst der ärgste Sommer in der Schweiz ist ein mediteranes Feuerwerk im Vergleich – und hier endet der Prolog – mit dem, was du uns hier zu London diesen August beschert hast.

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Regen, Regen, Tröpfchen

Petrus! Seit dem Schweizer Nationalfeiertag weile ich nun hier und wüsste ich es nicht besser, wähnte ich mich im spätherbstlichen November. Graues Wetter tagein, tagaus. Schauer hier, Nebel dort, Temperaturen unter Zwanzig Celsius-Einheiten, gefühlte 10 Minuten durchschnittlicher Sonnenschein am Tag. Was in Gottes Namen soll der Käse, sag? Und wie soll das bloss im Herbst werden? Kein Wunder muss sich die hiesige Bevölkerung regelmässig mit Alkohol betäuben; das ist ja kein Leben nicht.

Und wer hat Schuld? Du, Petrus, und deine vermaledeiten Erfüllungsgehilfen am englischen Himmelszelt. Schluss mit dem Stuss, Petrus. Was jetzt ansteht, ist ein September, der alles Bisherige in den Schatten stellt (Anm. dafür braucht es Sonne, gelle) und uns arme gequälte Seelen für all den seelischen Unbill entschädigt, den wir in den letzten Tage erleiden mussten.

Wehe dir, wenn nicht. Dann nämlich muss ich weiter zürnen und beim nächsten Beschwerdebrief tief in die Verbalinjurienkiste greifen. Und wollen wir ja beide nicht.

In diesem Sinne, tschö

Gebsn

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In den Gehörgängen: Altern 8 - Active-8
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Renn Pferdchen, renn

Zum zwoten Mal durfte ich hier in good old England einen Junggesellentag ("stag day") erleben. Nachdem wir beim ersten Mal in einem Adventure Park männliche Aktivitäten wie Paintball, Quadbiking, Axtwerfen und das Verdrücken von halbrohen Hamburger mit Käsesurrogat betrieben hatten, ging es diesmal zum Pferderennen. Genauer: zum berühmten Pferderennen von Newbury.

In unchristlicher Frühe traf sich das etwa 30-köpfige Grüppchen in - genau! - einem kleinen, finsteren, aber reichlich gemütlichen Pub. Dort wurde ganz selbstverständlich schon der erste Frühschoppen gehoben, während die Engländer ihre über den TV paddelnden Ruderequippen anfeuerten. Zwei Pints für die meisten (und eins für mich) später, bestiegen wir den gemieteten Bus. Erster Zwischenstopp: Ein Getränkeladen, aus welchem fröhlich-lärmend sämtliche Alkoholikabestände in unseren Bus verfrachtet wurden. Entsprechend unterhaltsam gestaltete sich die restliche Fahrt.

Auf dem Rennkurs angekommen wurde ich freundlichst von den mir zwei bekannten Kollegen des zukünftigen Ehemanns in die Kunst des Wettens eingewiesen ("Eigentlich hat hier sowieso niemand eine Ahnung."). Nach zwei komplett missratenen Rennen änderte ich meine Taktik. Anstatt akribisch die Kommentare in Programm und Rennsportzeitung zu lesen, setzte ich auf das Bauchgefühl und wählte jeweils den erstbesten der aufgeführten Favoriten. Und siehe da, von vier Wetten auf den Sieger ("on the nose") tippte ich zwei Mal richtig, und ein Mal war mein Pferdchen unter den ersten Vier, so dass ich am Schluss trotz einiger bezahlter Runden gleich viel Geld im Beutelchen vorweisen konnte wie am Anfang.

A propos Getränke. Während ich mich ausgewogen mit Bier und Cola sowie einem dicken Sandwich ernährte, setzten die zwei Kollegen wie die meisten Anwesenden - ganz im Sinne des englischen Dogmas, dass jede Veranstaltung auch eine Gelegenheit zum Halb- bis Vollrausch ist - voll und ausschliesslich auf Guiness-Diät. Entsprechend kamen die unbedarften Feinmotoriker hinter der Bar kaum nach mit dem Ausschank.

Schon im Bus war gedroht worden, dass ja keiner ohne ein feines Damenhütchen, das traditionell von den rausgeputzten Frauen am "Ladys' Day" getragen wird, zurückkommen solle - so er denn mit nach Hause fahren wolle. Einige Burschen nahmen sich - je später der Tag und je höher der Pegel - dieses Credo sehr zum Herzen und versuchten mit Charme und Bestechung den anwesenden Damen einen Hut abzuluchsen. Und meine zwei Kollegen schafften dies sogar und trugen ihre errungenen Kopfbedeckungen mit Stolz für den Rest des Rennens umher. Chapeau!

Und während Boyzone zum Abschluss der Veranstaltung neben dem Rennkurs ihre alten Gassenhauer intonierten, machten wir uns im Bus zurück zu unserem Ursprungsort. Nicht ohne laut und falsch Liedgut aus den Siebzigern zu intonieren (Asche auf mein Haupt, ich war dabei) resp. - im ungünstigeren Fall - mit bleichem Köpfchen den Rausch auszuschlafen.

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England, da bin ich

Nachdem ich meine hinsichtlich meiner kleinen Zweizimmerwohnung in London (ohne Keller, ohne Estrich) aufs Nötigste kondensierten Habseligkeiten mit kleineren und grösseren Hindernissen (dazu vielleicht später ausführlicher) dank der tatkräftigen Hilfe der Vorzeige-Kollegen (so viel Lob muss ausnahmsweise sein) D.R. und P.M. erfolgreich per Mietlieferwagen durch ganz Fronkreisch und unter dem Ärmelkanal durch nach London verbracht habe ...

Eurotunnel
Verladestation in Calais, mit flinker Hand aus fahrendem Fahrzeug fotografiert.

... ich mithilfe von unzähligen Personen, die alles (alles!), was ich mit einem "Gratis zum Mitnehmen"-Schild vors Haus stellte, mitschleppten (ein Hoch aufs Gundeli), mithilfe der Mitarbeitenden der Brockenhalle Reinach, die das gröbere Geschütz meiner Möbel mit Enthusiasmus auseinander schraubten und entgegennahmen (sogar all den IKEA-Krempel) und nicht zuletzt dank der unschätzbaren Mithilfe meines jüngsten Bruders, der nicht nur mit Freundin einen erklecklichen Teil meines Hab und Guts auf dem Flohmarkt gegen süsses Bares veräusserte, sondern auch mit unermüdlichem Einsatz meine Wohnung zur geforderten Besenreinheit mitschrubbte, die Wohnung geleert und abgegeben habe ...

Leere Wohnung
Alles wech. Nun ja, beinahe alles.

... bin ich nun seit dem 1. August definitiv und für ein ganzes Weilchen in London beheimatet. Hier schlage ich mich nicht nur mit meinen dämlich überlangen Schachtelsätzen und einem regelmässig abstürzenden Laptop rum, sondern auch mit den kleinen administrativen Widerwärtigkeiten, die London einem Ausländer so bieten kann. Ansonsten geniesse ich jedoch die Zeit bis zum Beginn meines Studiums, lese den Klassiker "Notes from Small Island", lausche hübscher Musik und pfeife mir wieder mal die gesamten "Green Wing"-Staffeln rein. Zur kulturellen und sprachlichen Assimilation natürlich, ich will schliesslich Vorzeige-Ausländer werden.

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AKW-Propaganda entlarvt

Billiger, sicherer und CO2-freundlicher Strom bis zum St. Nimmerleinstag dank (neuen) AKWs? Mitnichten, wie Bernward Janzing im Taz-Artikel "So bleiben Sie AKW-Gegner" aufzeigt. Zwei Auszüge als "Gluschterli":

"Müsste ein AKW-Betreiber eine Versicherungspolice vorlegen, die alle denkbaren materiellen Unfallschäden abdeckt, wäre (sofern sich überhaupt eine Versicherung fände) die Prämie so hoch, dass der Atomstrom unrentabel würde. Hier haftet also die Gemeinschaft für den vermeintlich billigen Atomstrom."

"Man stelle sich vor, in der letzten Eiszeit hätte es schon Atomkraftwerke gegeben, dann müssten wir heute noch über die Abfälle wachen. Kein Mensch kann garantieren, dass ein geologischer Untergrund, welcher Art auch immer, den Müll über so lange Zeiträume sicher einschließen kann."


(via Sargnagelschmiede)

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Zuhause ist es immer noch am schönsten ...

... lügt der Volksmund. Aber nach einer Woche Badeferien in Gran Canaria mit den Kollgeschen P. und D. (mehr dazu später) kommt man doch ganz gerne zurück in die eigenen vier Wände in der sauberen Schweiz.

P.S. Die Kommentare sind ab sofort wieder freigeschaltet.
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Ausgeflogen

Euer Gebsn ist ab morgen eine Woche lang in den wohl verdienten Ferien. Die Kommentarmöglichkeit ist per sofort und bis Ferienende deaktiviert.

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In den Gehörgängen: Strassenlärm
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Der böse Mugabe

Wahrlich, Robert Mugabe ist kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht, die eigene Macht zu erhalten. Wie viel hingegen von der westlichen Empörung über seine Machenschaften zu halten ist, zeigt sich beim Vergleich mit anderen Staatsoberhäuptern Afrikas.

Siehe "Menschenrechte in Afrika (II)" von German Foreign Policy.
Lesenswert auch: "Unser Mann in Harare" beim Spiegelfechter.

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In den Gehörgängen: Ventilatorsurren
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Überwachung 2.0

Was bei uns an Überwachungstechnologien teilweise eingesetzt wird oder werden soll (biometrischer Pass, Videoüberwachung, Internetüberwachung), wird im chinesischen Shenzhen und anderen Städten flächendeckend benützt und zu einem Überwachungssystem namens "Golden Shield" verbunden. Schöne neue güldne Welt.

Lesenswerter Rolling Stone-Artikel "China's All-Seing Eye" (engl.) von Naomi Klein dazu.

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In den Gehörgängen: The White Stripes - Seven Nation Army (nur dank EM auch auf DRS3?)
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Wer nichts zu verbergen hat

"Man gebe mir sechs Zeilen, geschrieben von dem redlichsten Menschen, und ich werde darin etwas finden, um ihn aufhängen zu lassen."

(Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu, genannt Kardinal Richelieu)

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In den Gehörgängen: N.E.R.D. - Seeing Sounds CD
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England, ich komme (II): Die neue Bleibe

Nach dem nur unbedeutend komplizierten Vertragsunterzeichnungsprozedere mit 26-seitigem Mietvertrag (auf jeder Seite signiert und Rückseite unterschrieben, Unterschrift eines Zeugen meiner Unterzeichnung) bin ich seit letzten Freitag stolzer Besitzer einer Zweitwohnung im London - zumindest bis Ende Juli, wenn ich aus meiner jetzigen Unterkunft ausziehe.

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Im neuen Wohnzimmer wohnt sich's wunderbar.

Mit Freude und Stolz darf ich verkünden, dass meine Herzensdame und ich einen echten Glücksgriff gemacht haben. Natürlich ist auch unsere Wohnung lächerlich, ja läppisch überteuert, wie es sich für eine Unterkunft im zentralen London gehört. Aber in Anbetracht von Lage, Einrichtung und Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist sie - die Worte wollen kaum aus den Finger kriechen - vergleichsweise ein Schnäppchen. Sind wir doch noch ganz knapp Teil der adretten und noblen Holland Park-Gegend, auch wenn gleich in der unmittelbaren Nachbarschaft die Sozialwohnungs-Hochhäuser ("council flats") in die Höhe schiessen.

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Hinter unserer Wohnung: Plattenbau zum ersten

Natürlich (natürlich!) lief - wie es sich für einen Umzug und erst recht auch für England gehört - nicht alles rund. Neben Kleinigkeiten wie den fehlenden Bedienungsanleitungen für die Kücheneinrichtungen, eine alles andere als besenreine Wohnung, das zuerst fehlende und dann erst im zweiten Anlauf von unserem "estate agent" (sprich: Heini von der Mietverwaltung) erfolgreich kopierte Schlüsselset gab es auch eine Panne im wortwörtlichsten Sinne. Auf dem Weg zum Grosseinkauf (Putzmittel, Esswaren) hat der passionierte Rechtsfahrer Gebsn im Linksfahrerland doch tatsächlich einen Bordstein gerammt. Den Reifenhändler freut's.

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Verglemmer: Plattenbau zum zwoten

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Heisst das, Du bist auf den Affen gekommen?
LD (Gast) - 23. Aug, 01:39
Danke, danke
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Yeah!
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spot (Gast) - 28. Feb, 09:05
Danke, danke
Soweit, ganz gut. Lustigerweise fuhren die Busse, als...
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Sehr geehrter Herr Gebsn
Ich hoffe, es geht Ihnen gut auf der Insel! Haben Sie...
Newzilla (Gast) - 10. Nov, 09:26

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